Sind Einschlafhilfen Fluch oder Segen für geplagte Eltern?

Wenn man ein Baby erwartet, ist die Freude groß. Genauso wie die Unsicherheit, weil so viel Neues auf einen zukommt. Man konnte vorher nie für diese neue Situation üben. Selbst beim zweiten Kind kann wieder alles anders sein, da jedes Kind so individuell ist.

Verschiedene Themen beschäftigen aber doch alle Eltern irgendwann fast gleichermaßen. Einer dieser Klassiker, der frisch gebackene Mamas und Papas regelmäßig um den Schlaf bringt, ist das Schlafverhalten des Nachwuchses.

Nur wenige Eltern haben das große Glück, einen guten Schläfer direkt in die Wiege gelegt zu bekommen.

Wirklich viele müssen sich ihren Feierabend hart erarbeiten: einige tragen das Baby geduldig Runde um Runde durchs Zimmer, andere Stillen den Nachwuchs in den Schlaf, manche singen andere liegen beim Baby im Bett und schaffen am Ende sogar zuerst den Sprung ins Land der Träume.

Am Ende bedienen sich die meisten Eltern irgendwelcher sogenannter Einschlafhilfen um das Baby in den Schlaf zu begleiten.

Schläft das Baby dann gut, sind alle zufrieden. Wacht das Baby aber häufig auf und verlangt wieder und wieder nach der zeitintensiven und kräftezehrenden Einschlafbegleitung, liegen die Nerven aller Beteiligten schnell blank.

Auf die Frage wann Einschlafhilfen helfen und wann nicht, und welche Möglichkeiten man hat die Schlafsituation zu verbessern, steht Patrizia Anic, selbst Mama und ausgebildeter Schlafcoach, im Folgenden Rede und Antwort.

Welche Einschlafhilfen für Babys gibt es überhaupt?

Als Einschlafhilfen bezeichnet man alle Hilfen, die ein Baby elternabhängig oder elternunabhängig beim Einschlafen unterstützen. Diese Einschlafhilfen sind wie wir Menschen, individuell und vielseitig: Zu den bekanntesten und gängigsten Einschlafhilfen gehören das beliebte Einschlafstillen, das Tragen des Babys auf dem Arm, aber auch das Hüpfen auf den Gymnastikball.Weitere beliebte Helfer, die Babys schnell einschlafen lassen, sind Flasche und Schnuller. Aber auch optische und akustische Reize wie eine Spieluhr, beruhigende Geräusche oder sanftes Streicheln sind Hilfen, die beim Einschlafen unterstützen. 

Sind Einschlafhilfen per se schlecht? Oder gibt es Ausnahmen?

Nein, Einschlafhilfen sind nicht per se schlecht: für die einen sind sie Segen, für die anderen ein Fluch. In der Regel schlafen Säuglinge in den ersten Lebensmonaten mit Hilfe von Einschlafhilfen gut und schnell ein und mit etwas Glück sogar durch. Hat Dein Baby aber die erste Schlafregression mit etwa einem halben Jahr durchlebt, hat sich das Schlafmuster Deines Babys verändert. Die Entwicklung vom „Neugeborenenschlaf“ hin zum „Erwachsenenschlaf“ bringt mit sich, dass Dein Baby ab sofort zwischen leichten und tiefen Schlafphasen wechselt. Hat diese Umstellung stattgefunden, können die bislang helfenden Einschlafhilfen Dein Baby plötzlich sogar Am Schlafen hindern. Woran dies liegt? Wenn Dein Baby nachts wach wird, benötigen es, um in den nächsten Schlafzyklus zu finden, dieselbe Einschlafhilfe, die es beim initialen Einschlafen erhalten haben. 

Wie lange ist es in Ordnung auf Einschlafhilfen zurückzugreifen?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen dauerhaft Einschlafhilfen zu nutzen, solange alle Beteiligten damit zufrieden sind und die Schlafsituation damit positiv beeinflusst wird. Diese positiven Effekte können dauerhaft wirken, es kann aber auch sein, dass der gewünschte Erfolg irgendwann ausbleibt. Merkt ihr, dass Euer Kleines häufig aufwacht und ihr als Familie keine erholsame Schlafsituation habt, ist es ratsam, die Einschlafhilfen nach und nach auszuschleichen.

Woran merke ich, dass ich meinem Baby mit der Einschlafhilfe keinen Gefallen tue?

Niemand kennt Euer Kind so gut wie ihr als Eltern. Jedoch gibt es einige Signale, die darauf hindeuten, dass es besser für Dein Kind und Dich sein könnte, auf Einschlafhilfen zu verzichten:

  • Dein Baby wird überdurchschnittlich häufig wach.
  • Es schafft den Übergang in die nächste Schlafphase nicht ohne Einschlafhilfe.
  • Dein Kind schläft tagsüber nicht länger als 30 bis 45 Minuten am Stück.

Was hältst du von Einschlafhilfen aus der Apotheke?

Es gibt einige Heilpflanzen deren Duft beruhigend und schlaffördernd wirken. Allerdings muss man beim Einsatz von ätherischen Ölen bei Kleinkindern sehr vorsichtig sein, da sie sich nachteilig auf die Atmung auswirken können. Informiert Euch bitte vorab bei Eurem Kinderarztes.

Wie gewöhne ich meinem Baby Einschlafhilfen ab? 

Das A und O um Deinem Baby die Einschlafhilfe erfolgreich abzugewöhnen sind Nähe und Liebe. So kann sich Dein Baby sicher fühlen und lernen selbstständig in den Schlaf zu finden. Geht behutsam vor und schleicht die Einschlafhilfe langsam aus, reduziert den Einsatz Tag für Tag. 

Ein Beispiel: Schläft das Baby nur ein, wenn es auf den Arm getragen wird, so wird im ersten Schritt das Tragen auf ein einfaches im Arm halten reduziert. Am darauffolgenden Tag legt man sich nur noch neben das Kind und streichelt es. Am darauffolgenden Tag hält man vielleicht nur noch die Hand und final kann es dann genügen ohne Körperkontakt einfach anwesend zu sein.

Wie helfe ich meinem Baby stattdessen einzuschlafen?

Babys benötigen Routinen und Sicherheit. Immer wiederkehrende Abläufe und derselbe Schlafplatz sorgen dafür, dass Dein Baby besser in den Schlaf finden. Je vertrauter ein Baby mit seinem Schlafplatz ist, desto sicherer fühlt es sich, desto besser wird es schlafen. 

Außerdem spielt der richtige Zeitpunkt für das Zu-Bett-Gehen eine wichtige Rolle. Ein Baby, das putzmunter ist, wird nicht allzu schnell einschlafen. Ein übermüdetes Baby findet aber genauso wenig in den Schlaf. Schuld daran ist das Hormon Cortisol, das der Körper ausschüttet, um Stress zu bewältigen. Beobachte Dein Baby um den richtigen Moment abzupassen.

Wie lange dauert es für gewöhnlich bis ein Baby einschläft?

Hast Du den idealen Einschlaf-Zeitpunkt erwischt, sollte Dein Baby nicht länger als 10 Minuten brauchen, um einzuschlafen.

Was kann ich tun, wenn mein Kind einfach nicht in den Schlaf findet?

Hinterfrage das Einschlafen: Habe ich den richtigen Zeitpunkt gewählt, um mein Kind schlafen zu legen? Ist die Wachphase zu lang bzw. nicht lang genug? Ist der Schlafdruck vorhanden? Gibt es eine regelmäßige Abendroutine, die Sicherheit gibt? 

Reduziert die Reize beim Einschlafen und gerne auch schon bei der Abendroutine. Vermeidet blaues Licht, da das belebend wirkt.

Beobachtet das Zu-Bett-Geh-Verhalten von Eurem Baby ein paar Tage. Gegebenenfalls muss der Zeitpunkt für das ins Bett gehen überdacht und angepasst werden: Ist Dein Baby vielleicht bereits ist zu müde? Versuche es morgen doch mal eine halbe Stunde früher hinzulegen. Oder ist Dein Kleines noch zu munter? Vielleicht könnt ihr Euch morgen gemeinsam noch ein Buch anschauen vor dem Schlafen. 

Mein Tipp: Beobachte, wie lange Dein Kind braucht, um einzuschlafen. Verschiebe das Zu-Bett-Gehen um diese Dauer nach vorne oder hinten. 

Mein Baby schläft zwar ein aber einfach nicht durch. Gibt es hierfür auch Gründe?

Schläft ein Baby gut ein, wurde der richtige Zeitpunkt zum Schlafen-legen gewählt und der perfekte Schlafdruck – das Baby ist weder zu müde noch zu wach – ist vorhanden.

Schläft ein Baby nicht altersgerecht durch, könnte Nachfolgendes die Ursache dafür sein: 

  • Dein Baby hat Hunger.
  • Dein Baby zahnt.
  • Dein Baby kränkelt.
  • Dein Baby durchlebt einen Entwicklungsschub.
  • Dein Baby verarbeitet ein emotionales Erlebnis.
  • Dein Baby war tagsüber zu vielen Reize ausgesetzt.. 
  • Dein Baby schafft den Übergang in die nächste Schlafphase nicht.

Und wann ist ein Baby-Schlafcoaching sinnvoll?

Ein Schlafcoaching ist dann sinnvoll, wenn ihr Eure Schlafsituation als unzumutbar empfindet und ihr Euch eine Veränderung wünscht UND Euer Baby mindestens 6 Monate alt ist.

Lass uns miteinander sprechen! In einem kostenlosen und unverbindlichen Telefonat finden wir gemeinsam heraus, ob das Schlaf-Coaching zu Dir und Deiner Familie passt. Ich freue mich auf Dich.